Folge 5: Multimodales Stressmanagement: Die 3 wichtigsten Hebel gegen Stress

23. Feb. 2026 | 0 Kommentare

Viele Menschen suchen nach einer einzelnen Methode gegen Stress.

Eine Atemübung.
Ein Yogakurs.
Eine Meditation.

Das kann hilfreich sein – aber meistens greift es zu kurz.

Im Podcast Cortisol und Kaffee erklären Dr. Susanne Löffner und Dr. Henner Sturzenhecker deshalb das Konzept des multimodalen Stressmanagements. Der Gedanke dahinter ist einfach: Stress entsteht durch mehrere Faktoren – also braucht auch Stressbewältigung mehrere Ansatzpunkte.

Das Modell baut auf der zuvor beschriebenen Stresskaskade auf.

Die Grundlage: die Stresskaskade

Die Stresskaskade beschreibt, wie Stress entsteht:

  1. Stressor – eine stressauslösende Situation
  2. Eigene Bewertung – die unbewusste Interpretation dieser Situation
  3. Stressreaktion – die körperliche und emotionale Aktivierung

Dieses Konzept steht in engem Zusammenhang mit dem transaktionalen Stressmodell von Richard Lazarus .

Das multimodale Stressmanagement nutzt genau diese drei Stufen – und setzt an jeder davon an.

Variable 1: Der Stressor – pragmatisches Stressmanagement

Die erste Möglichkeit, Stress zu reduzieren, liegt im Außen.

Wenn ein Stressor Stress auslöst, kann man versuchen, die äußeren Bedingungen zu verändern.

Das nennt sich pragmatisches Stressmanagement.

Typische Beispiele sind:

  • bessere Zeitplanung
  • Prioritäten setzen
  • Aufgaben delegieren
  • klare Grenzen setzen
  • realistische Zeitpuffer einplanen

Viele klassische Stressratgeber konzentrieren sich vor allem auf diesen Bereich.

Das Problem: Nicht jeder Stressor lässt sich einfach verändern.

Man kann nicht jede Situation kontrollieren. Deshalb reicht pragmatisches Stressmanagement allein meist nicht aus.

Variable 2: Die eigene Bewertung – mentales Stressmanagement

Der zweite Ansatzpunkt liegt im Inneren.

Zwischen Stressor und Stressreaktion steht die persönliche Bewertung einer Situation.

Diese Bewertung entsteht aus vielen Faktoren:

  • Erfahrungen
  • Überzeugungen
  • Werte
  • Glaubenssätze
  • Persönlichkeitsmerkmale

Typische stressverstärkende Muster können sein:

  • Perfektionismus
  • Ungeduld
  • starke innere Antreiber
  • Schwierigkeiten, Nein zu sagen
  • Kontrollbedürfnis
  • negative Erwartungshaltungen

Hier setzt das mentale Stressmanagement an.

Es beschäftigt sich mit Fragen wie:

  • Wie interpretiere ich Situationen?
  • Welche Gedanken lösen Stress aus?
  • Welche inneren Überzeugungen treiben mich an?

Mentale Strategien spielen in vielen psychologischen Stressmodellen eine wichtige Rolle.

Variable 3: Die Stressreaktion – Regenerationskompetenz

Die dritte Variable ist die Stressreaktion selbst.

Wenn der Stress einmal ausgelöst wurde, läuft eine biologische Aktivierung im Körper ab:

  • Herzschlag steigt
  • Stresshormone werden ausgeschüttet
  • Aufmerksamkeit wird fokussiert
  • Muskeln spannen sich an

Diese Reaktion lässt sich nicht einfach stoppen.

Man kann aber lernen, sie wieder herunterzufahren.

Hier kommt die sogenannte Regenerationskompetenz ins Spiel.

multimodales Stressmanagement: 3 Bausteine für eine effektive Stressreduktion

Was zur Regeneration gehört

Regeneration bedeutet, dem Körper zu helfen, aus dem Stressmodus wieder herauszukommen.

Typische Beispiele sind:

  • Bewegung oder Sport
  • Entspannungsverfahren
  • Pausen
  • soziale Kontakte
  • körperliche Berührung
  • Naturerlebnisse
  • ausreichend Schlaf

Viele dieser Strategien wirken über physiologische Stressregulation und hormonelle Systeme

Ein wichtiges Prinzip: Regeneration ist individuell.
Nicht jede Methode funktioniert für jeden Menschen.

Was wir von einem Zebra lernen können

Im Podcast taucht immer wieder ein Beispiel auf: Zebrafrau Streif.

Nachdem sie einem Löwen entkommen ist, passiert Folgendes:

  1. Sie rennt – die Stressenergie wird verbraucht.
  2. Sie zittert – der Körper reguliert sich.
  3. Sie kehrt zur Herde zurück – soziale Sicherheit entsteht.

Dieses Verhalten schließt den Stresszyklus ab.

Viele Tiere besitzen diese Fähigkeit ganz selbstverständlich. Menschen hingegen bleiben oft im Stressmodus hängen.

Stressmanagement bei ADHS

Das multimodale Stressmanagement lässt sich auch auf neurodivergente Menschen anwenden.

Die drei Variablen bleiben gleich, aber ihre Inhalte können sich unterscheiden.

Beispiele für zusätzliche Stressoren bei ADHS:

  • Schwierigkeiten mit Zeitmanagement
  • Organisationsprobleme
  • Reizüberflutung
  • soziale Missverständnisse

Auch die Stressreaktion kann intensiver sein. Studien zeigen, dass Stress und emotionale Reaktivität bei ADHS eine wichtige Rolle spielen .

Besonders bei der Regeneration können Unterschiede auftreten.

Während viele Menschen von Meditation oder ruhigen Entspannungsübungen profitieren, fällt genau das manchen Menschen mit ADHS schwer.

Hier können aktivere Strategien besser funktionieren, zum Beispiel:

  • Bewegung
  • kreative Tätigkeiten
  • strukturierte Aktivitäten

Stressmanagement braucht Selbstwirksamkeit

Ein wichtiger Punkt im multimodalen Stressmanagement ist Selbstwirksamkeit.

Pragmatische Strategien im Außen wirken oft wie einfache „Kochrezepte“.

Mentale Veränderungen und Regeneration dagegen erfordern Übung und Geduld.

Stressbewältigung bedeutet daher nicht nur, Methoden zu kennen – sondern sie auch regelmäßig anzuwenden.

Warum multimodales Stressmanagement sinnvoll ist

Der große Vorteil dieses Ansatzes:

Stress wird nicht auf eine einzige Ursache reduziert.

Stattdessen betrachtet man mehrere Ebenen gleichzeitig:

  • äußere Bedingungen
  • innere Bewertung
  • körperliche Reaktionen

Dadurch entstehen deutlich mehr Möglichkeiten, Stress langfristig zu verändern.

Ausblick auf die nächsten Folgen

Nach den ersten fünf Einführungsfolgen von Cortisol und Kaffee beginnt nun der nächste Schritt.

In den kommenden Episoden geht es darum:

  • wie du Stress in deinem Alltag erkennst
  • wie dein Körper auf Stress reagiert
  • welche Strategien für dich persönlich funktionieren

Das Ziel bleibt gleich: Stress besser verstehen – und Schritt für Schritt anders damit umgehen.

FAQ

Was bedeutet multimodales Stressmanagement?

Multimodales Stressmanagement beschreibt einen Ansatz, der Stress auf mehreren Ebenen gleichzeitig betrachtet: äußere Stressoren, persönliche Bewertung und körperliche Stressreaktion.

Warum reicht eine einzelne Stressmethode oft nicht aus?

Stress entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Deshalb kann eine einzelne Methode – zum Beispiel nur Entspannung – oft nicht alle Ursachen abdecken.

Was ist pragmatisches Stressmanagement?

Pragmatisches Stressmanagement konzentriert sich auf äußere Faktoren wie Zeitplanung, Prioritäten oder Arbeitsorganisation.

Was ist mentales Stressmanagement?

Mentales Stressmanagement beschäftigt sich mit Gedanken, Bewertungen und inneren Überzeugungen, die Stress verstärken oder reduzieren können.

Was bedeutet Regenerationskompetenz?

Regenerationskompetenz beschreibt die Fähigkeit, nach Stress wieder in einen entspannten Zustand zurückzukehren – zum Beispiel durch Bewegung, Pausen oder soziale Kontakte.

Funktioniert Stressmanagement bei jedem gleich?

Nein. Stressreaktionen und Regenerationsstrategien sind individuell. Methoden müssen deshalb oft an die eigene Persönlichkeit und Lebenssituation angepasst werden.

Ist Stress immer negativ?

Nein. Kurzfristiger Stress kann hilfreich sein und Leistung steigern. Problematisch wird Stress vor allem, wenn er dauerhaft anhält und keine ausreichende Regeneration erfolgt.

Wenn du tiefer einsteigen willst

Wenn du Stress nicht nur verstehen, sondern wirklich verändern willst, dann melde dich an für unseren Newsletter ❤️Herzenszeit❤️.
Dort findest du außerdem den kostenlosen 20-teiligen Selbstlernkurs „Cortisol & Kaffee“, in dem du Schritt für Schritt dein eigenes Stresssystem besser kennenlernen kannst.

Diese Folge kannst du dir hier anhören:

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert